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„Wir gehen davon aus, dass CGI die traditionelle Produktfotografie ablösen wird.

Februar 26, 2019

Computergenerierte Bilder (CGI) sind auf dem Vormarsch. Doch warum ist das eigentlich so? Im Interview spricht David Wischniewski, CEO von RenderThat, über die Vorteile von CGI. Wieso setzen immer mehr Unternehmen auf Renderings und wohin bewegt sich der CGI-Trend?

Entwickler:

CGI, also computergenerierte Bilder, sind aktuell ein Trend-Thema. Was genau darf man sich unter CGI vorstellen?

David Wischniewski:

CGI steht für Computer Generated Imagery, also am Computer erstellte Bilder. Darunter kann man alles verstehen – von abstrakten Motiven bis hin zur fotorealistischen Produktvisualisierung. Um sogenannte Renderings erstellen zu können, wird im ersten Schritt das physische Produkt am Computer nachgebaut. Zunächst werden alle Details nachgebildet, sodass wir einen “digitalen Zwilling” als 3D-Modell erhalten. Im nächsten Schritt wird das 3D-Modell mit den richtigen Materialien belegt und in einem virtuellen Raum platziert.

Viele Unternehmen kontaktieren uns, weil ihnen traditionelle Methoden wie Fotoshootings zu langwierig, teuer und unflexibel sind. Außerdem ist das Fotografieren vor allem bei größeren Bildmengen nicht praktikabel. Wir können mit CGI jedes Produkt in jedes beliebige Milieu platzieren. Dafür entwerfen unsere Innenarchitekten und Interior Designer Szenen, die an die jeweilige Zielgruppe angepasst sind. In diese Szene wird dann der digitale Zwilling platziert. Dadurch ist es selbst nach Projektabschluss noch möglich, die Produkte in diesen Szenen auszutauschen oder aus einer andere Perspektive zu zeigen. Genau diese Flexibilität führt dazu, dass Unternehmen CGI der traditionellen Fotografie vorziehen und wir schnell expandieren.

Entwickler:

CGI liegt gerade auch bei Möbel- und Einrichtungshäusern stark im Trend. Worin liegt der Vorteil von CGI gegenüber der Fotografie?

David Wischniewski:

Möbel- und Einrichtungshäuser erhalten in der Regel Bildmaterial von den Herstellern, welches dann für das eigene Marketing verwendet werden muss. Dieses Bildmaterial entspricht sehr selten der Bildsprache der Händler oder anderen Herstellern. Dadurch wirken Prospekte und Webseiten oft unruhig und wenig hochwertig. Mit CGI können Einrichtungshäuser neues Bildmaterial erstellen lassen, ohne dass dafür die tatsächlichen Möbel ausgepackt und in ein Fotostudio geliefert werden müssen. Die Visualisierungen können somit nicht nur einheitlich erstellt, sondern auch auf die jeweiligen Produkt- und Zielgruppen angepasst werden. Außerdem sind wir dadurch unabhängig von Faktoren wie Licht- und Wetterverhältnis oder Interior- und Exteriorszenen.

Oft arbeiten wir auch direkt mit den Möbelherstellern zusammen, welchen wir eine Reihe unterschiedlichster Freigabemöglichkeiten, Schnittstellen und Optionen zur Content-Erstellung anbieten. Konkret heißt das: Möbelhersteller können auch weiteren Händlern einheitliches Bildmaterial über uns bereitstellen, welches zusätzlich ihrer Corporate Identity entspricht. Dadurch verfügen Möbelhändler über einheitliches Bildmaterial und Kataloge wirken hochwertiger.

Dadurch können Kosten gespart werden und Synergien entstehen, weil wir nicht nur bereits mit den Produkten des jeweiligen Herstellers vertraut sind, sondern auch schon den entsprechenden digitalen Zwilling in unserer Datenbank haben. Neue Bilder, Videos oder sogar Augmented Reality Apps können dadurch in kürzester Zeit realisiert werden.

Entwickler:

Wieso wird CGI nicht häufiger genutzt, wenn die Methode so gut ist?

David Wischniewski:

Vor allem, weil die Entscheider nicht genau wissen, was CGI ist und wie es funktioniert. Sie trauen sich häufig nicht, neue Methoden auszuprobieren – selbst, wenn es im jeweiligen Unternehmen bereits Befürworter gibt. Außerdem ist mit dem Schritt hin zu CGI auch immer eine Änderung bestehender Arbeitsweisen verbunden. Auch der initiale Aufwand ist im Vergleich zur Fotografie etwas höher, da zunächst der digitale Zwilling eines Produktes erstellt werden muss. Dieser Mehraufwand relativiert sich aber sehr schnell, weil binnen kürzester Zeit dutzende Produktvarianten in sämtlichen Perspektiven realisiert werden können. Häufig wird auch übersehen, dass das Modell in 3D-Produktkonfiguratoren, Augmented und Virtual Reality-Anwendungen weiterverwendet werden kann.

Entwickler:

Welche Best Practices gibt es, wenn man CGI implementieren möchte?

David Wischniewski:

CGI zu implementieren ist nicht schwierig. Im Grunde ist es eine neue, moderne und effiziente Alternative zur Fotografie. Man muss das Thema aber globaler sehen, da sich im Vergleich zur Fotografie dutzende Synergien ergeben. Deshalb ist es wichtig, direkt zu Beginn zu wissen, was man eigentlich erzielen möchte: Benötige ich nur Bilder für ein einmaliges Projekt? Baue ich mir ein digitales Warenlager auf? Sollen alle meine Kanäle und Publikationen beliefert werden? Welche Rolle spielen die Zulieferer? Speziell für die erste Phase haben wir RenderThat Consulting ins Leben gerufen. Unsere Consulting-Abteilung hilft den Kunden, den Umfang und das Potential von CGI zu verstehen und bestmöglich zu implementieren. Erst danach werden die Produkte digitalisiert. Je nach Art und Menge entwickeln wir entweder für jeden Kunden eine eigene Infrastruktur oder gliedern diese in unsere bestehenden Prozesse ein. Das ermöglicht einen reibungslosen und zügigen Ablauf. Parallel zu Review und Approval des visuellen Contents wird die Auslieferung der Bilder und Apps geplant und strukturiert. Bei kleinen Mengen kann sich der Kunde die finalen Bilder einfach aus einem Projektraum herunterladen. Oft werden aber mehrere tausend Bilder für unterschiedliche Bilder erstellt, die dann im besten Fall in einem Content Distribution System verwaltet werden. Darunter versteht man ein internes System, welches an das System des Kunden angeschlossen wird und den jeweiligen Content an die richtige Stelle bringt.

Entwickler:

Was glauben Sie, wie sich computergenerierte Bilder und deren Nutzung in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln werden?

David Wischniewski:

Wir gehen davon aus, dass CGI die traditionelle Produktfotografie ablösen wird. Alle großen Plattformen und Händler wie IKEA, Amazon, Otto und Wayfair investieren bereits seit Jahren in das Thema. Viele Unternehmen erhöhen derzeit die Investments und setzen teilweise einheitliches CGI Bildmaterial von den Herstellern voraus, um über die jeweilige Plattform verkaufen zu können. Aber auch kleine und mittelständische Betriebe springen auf den Zug und tendieren immer mehr zu CGI. Darüber hinaus, werden 3D-Modelle nicht nur für Bilder verwendet, sondern können auch in Animationen, Augmented und Virtual Reality Apps zum Einsatz kommen. Den Endkonsumenten kann so ein immer besseres Einkaufserlebnis ermöglicht werden. Bilder können automatisch an die Zielgruppe angepasst werden, wie es zum Beispiel auch Netflix mit Filmcovern macht. Wir arbeiten aktuell z. B. an der Optimierung der Bilder mittels Methoden aus der Gehirnforschung. Das wird unseren Kunden helfen, dieselben Produkte in dutzenden verschiedenen Szenen, Ansichten, Bildsprachen/-stilen darzustellen, um dem Endkonsumenten die Kaufentscheidung zu erleichtern.

Darüber hinaus wird dasselbe “Basismaterial” (3D-Modelle, Bilder etc.) auch für den Kundenservice nach dem Kauf verwendet. Solche visualisierten Gebrauchsanweisungen zeigen den Kunden unkompliziert, wie Produkte benutzt oder gewartet werden können. So kann zum Beispiel bei einer Kaffeemaschine ganz einfach angezeigt werden, welche Bauteile in welcher Reihenfolge entnommen werden müssen, um den Kalkfilter auszutauschen. Dank Augmented Reality Apps können Produkte somit nicht nur vor dem Kauf virtuell im eigenen Haus platziert werden, sondern auch die Produktdetails erkannt werden. Parallel zu all dem arbeiten wir an der automatisierten Erstellung von visuellem Content. Wir produzieren aktuell zwar schon eine Million im Monat automatisiert – das lässt sich aber noch deutlich steigern. Unser Ziel ist es, Realtime Content, also Content ohne Bearbeitungszeiten, zu ermöglichen.

Entwickler:

Vielen Dank für das Interview!

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