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Fast jeder hat bereits schon einmal von virtueller Realität gehört. In den 80ern und 90ern griffen bereits einige nicht ganz ernst zu nehmende Filme mit absonderlichen Konzeptualisierungen dieser Technologie jene Thematik auf und sorgten damit für eine gewisse Bekanntheit dieser Idee. Für einige Zeit dachten die Leute, dass es sich dabei nur um ein vorübergehendes Phänomen handle.

Aber VR wird schon lange nicht mehr als ein unechtes Kinderspielzeug angesehen. Heutzutage investieren Unternehmen wie Facebook, Microsoft und Google Unsummen in die Entwicklung dieser Technologie, denn es sieht danach aus, als würden virtuelle Erfahrungen unsere Zukunft dominieren.

Und eines der Schlüsselfelder, auf das VR einen enormen Einfluss haben wird, ist -Sie haben es erraten- der Journalismus. Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, die Nachrichten lediglich zu hören. Schon bald werden Sie die Nachrichten erleben.

Nachrichten erleben

Je weiter wir in 2016 voranschreiten, desto wahrscheinlicher machen VR-Headsets, unterstützt durch hochauflösende Simulationssoftware, die virtuelle Erfahrung zu einem festen Bestandteil eines durchschnittlichen Wohnzimmers. Dies ist hauptsächlich der stetig wachsenden Verfügbarkeit der Headsets geschuldet.

Wenn Sie eine Schlagzeile im Internet oder in den Nachrichten sehen, müssen Sie lediglich Ihr Headset aufsetzen und können alles aus erster Hand verfolgen.

Die Associated Press (AP) hat kürzlich erst die Partnerschaft mit dem Mikrochip- Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) verkündet. Ziel ist die Bereitstellung von Produkten mit deren Hilfe Nachrichtenbeiträge und Dokumentationen in einer naturgetreuen Umgebung erfahren werden können. AP plant, die Grafiktechnologie und Hardwareplattform, die von AMD entwickelt wurde, für den eigenen VR-basierten Inhalt zu verwenden. Dieser wird vollständig von AP-eigenen Redakteuren kontrolliert, ebenso wie dies beim gesamten VR-basierten Kanal der Fall sein wird.

„Dadurch, dass der Zuschauer an den Ort des Geschehens transportiert wird und ihm eine höhere Kontrolle zu Teil wird, hilft Virtual Reality dabei, dass der Zuschauer eine emotionale Verbindung zu der Geschichte aufbaut“, schrieb der Dokumentarfilmer Dalton Bennett auf der AP-Website im November.

Die ehemalige Newsweek-Reporterin Nonny de la Peña, auch „Taufpatin der Virtual Reality“ genannt, ging sogar so weit, dass sie ein VR-Experiment ins Leben gerufen hat, an welchem jeder teilnehmen kann. De la Peña erschuf eine immersive Rekonstruktion der Ereignisse um den umstrittenen Tod des afroamerikanischen Jungen Travyon Martin.

„Es erschafft eine reale Atmosphäre, als sei man tatsächlich am Ort des Geschehens“, erzählte sie dem Guardian im vergangenen März. „Es versetzt das Publikum an einen Ort, indem es die verschiedenen Blickwinkel, Geräusche und sogar die Gefühle erfahren kann, wenn die Ereignisse nach und nach ihren Lauf nehmen. Dies gibt es so bei keinem anderen Medium.“

Heute sind wir daran gewöhnt auf Videos zu klicken, die in einem Nachrichtenbericht und in unseren Social Media Feeds eingebettet sind. Dies spiegelt generell eine zweidimensionale Darstellung bzw. Aufzeichnung der Ereignisse wider, wie es beispielsweise der Fall ist, wenn jemand etwas mit seinem Smartphone aufnimmt oder aber ein Kamerateam von der Seitenlinie aus filmt. Nonny de la Peña rechnet jedoch damit, dass bald Nachrichten-Ereignisse mit Hilfe von dreidimensionalen, 360°-fähigen

Kameras gefilmt werden, die es dem Zuschauer ermöglichen, in die Kulisse einzutauchen und das Geschehen von jedem Blickwinkel aus zu verfolgen. Sollte dennoch einmal die einzig vorhandene Quelle einer Aufnahme ein Smartphone-Video oder ähnliches sein, sind Journalisten mit Hilfe eines weiteren Projekte von De la Peña, dem so genannten „Projekt Syrien“, in der Lage, verschiedene Aufnahmen zweidimensionaler Quellen, zu einem Ganzen zusammenzusetzen.

Grenzenlose Horizonte

Es ist nicht zu übersehen, dass VR immer noch in seinen Kinderschuhen steckt, da die überwiegende Mehrzahl der Konsumenten bis heute noch nicht mit einem VR-Headset in Berührung gekommen ist. Dabei arbeiten Firmen wie HTC, Sony, Samsung und möglicherweise auch Apple bereits heute emsig daran, Branchenstandards zu setzen. Bei diesem unerbittlichen Wettbewerb der Firmen untereinander kann es nur einen Sieger geben: den zukünftigen Kunden.

Bis dahin gibt es aber noch viele kleine Hürden die von der VR Technologie überwunden werden müssen. Dies gilt insbesondere für den Virtual Reality Journalismus. Können VR Videospiele unrealistisch und fernab jeglicher Realität sein, verlangt der User bei virtuellen Nachrichten hingegen ein Höchstmaß an Authentizität und reeller Reproduktion der Geschehnisse. Dabei müssen sowohl Ton-, als auch Bildqualität entsprechend hoch sein. Ist dies nicht der Fall würde der Nutzer schnell das Interesse verlieren. Deshalb sind die Maßstäbe und Erwartungen an die Journalisten entsprechend hoch.

Dokumentationsformate wie Frontline, die ihre Reporter regelmäßig um die Welt schicken um globale Nachrichten einzufangen, könnten erheblich von VR profitieren. „Unsere Reporter begeben sich an Orte, an die sich nur wenige vorwagen oder gar hinein begeben“, führt Raney Aronson-Rath, stellvertretender Exekutivproduzent von Frontline im Columbia Journalism Review aus.

„Ich habe lange Zeit Ausschau nach einer Möglichkeit gehalten, wie unsere Zuschauer aktiver mit uns in Kontakt treten können, sodass sie sich ein noch genaueres Bild machen können und einen exakten Eindruck davon bekommen, wie es wäre real vor Ort zu sein.“ Aronson-Rath hat das unglaubliche Potential, welches die VR Technologie neben dem herkömmlichen Journalismus bietet, erkannt: „Es ist wichtig meine Vision zu verstehen – Ich sehe das keinesfalls als ein Entweder-oder, sondern viel mehr als große Entdeckungsfahrt für mich und Frontline und das sowohl in kreativer als auch in journalistischer Art und Weise.“

Dabei bringen nicht nur die großen Platzhirsche der Medienbranche die notwendigen Möglichkeiten mit, um VR Inhalt zu produzieren. Alles was man für ein vollständiges VR Erlebnis braucht, sind 6 GoPro-Kameras, eine 360° Halterung und eines der vielzähligen Softwareprogramme, welches aus den verschieden Blickwinkeln und Zusammenschnitten die virtuelle Welt entstehen lässt. Gepaart mit ein wenig Knowhow und man kann bereits damit beginnen, VR-Erlebnisse auf Kanälen wie YouTube oder VRideo zu veröffentlichen.

Wie auch immer, wenn Sie VR Inhalte produzieren möchten, die mit den großen Namen der Industrie konkurrieren sollen, wird dies höchstwahrscheinlich ohne fremde Hilfe schwer möglich sein. Vergewissern Sie sich, dass Sie einen professionellen Partner an Ihrer Seite haben, mit der dafür nötigen Fachkompetenz (wie z.B. RenderThat), wenn Sie Ihre Laien-Produktion in eine high-end VR Simulation verwandeln möchten.

Ein weiteres nennenswertes Beispiel aus dem realen Anwendungsbereich für Virtual Reality konnte 2014 beobachtet werden, als man mit dem haushohen Potential der Technologie versucht hat, Massenepidemien zu bekämpfen. Ein 20-köpfiges Team von freiwilligen Spieleentwicklern programmierte eine maßstabsgetreue VR- Trainingssimulation um medizinisches Fachpersonal im allerersten Umgang mit dem Ebola Virus zu schulen und im Anschluss daran, die entsprechenden Symptome behandeln zu können. Und raten Sie mal? Die entsprechende Schulung war nach zwei Tagen abgeschlossen.

Schon bald wird Virtual Reality sich im Besitz von Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde befinden. Der Europäische Markt für VR ist bereits explodiert, und liegt mit einem bereits investierten Volumen von 1,9 Milliarden Dollar weltweit auf dem ersten Platz. Dieser Trend wird sich auch weiter fortsetzen, mit einem vorausgesagten Volumen weltweiter Verkäufe von 12,3 Milliarden Dollar in 2018, wobei jeder neue Nutzer auch Zugang zu VR News-Events haben wird. So hat das US- amerikanische Nachrichtennetzwerk CNN beispielsweise bereits begonnen, Präsidentschaftsdebatten für das anstehende Wahljahr 2016, zu übertragen.

Dieser breite Zugang zu virtuellen Darstellungen realer Ereignisse hat für diejenigen unter uns, die regelmäßig über aktuelle Nachrichten informiert sein möchten, gravierende Auswirkungen und zwar insbesondere darauf, wie diese zukünftig die Welt um sich herum wahrnehmen. Sobald diese Technologie erst einmal ausgereift ist, könnte unsere Fähigkeit, sich in jemanden hineinzuversetzen durch das Teilen von Erfahrungen exponentiell wachsen.

Sicher, es mag vielleicht einige Zeit dauern, bis ein jeder Virtual Reality als neuen Trend in den Nachrichten- und Unterhaltungsmedien akzeptiert, aber zum jetzigen Zeitpunkt dauert dies zweifellos nicht mehr lange. Millennials, die bereits als Digital Natives geboren wurden, werden sich schnell an diese Veränderungen gewöhnen. Für alle anderen gilt: alles was Sie tun müssen, ist ein VR-Headset aufzusetzen und selbst entscheiden.