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In den letzten Jahren wurden fotorealistische Architekturvisualisierungen zum goldenen Standard der Branche und Projekte, die ohne solche Visualisierungen präsentiert wurden, schafften es nur im geringen Maße, das Publikum anzusprechen. Wie in der Fotografie, gibt es und wird es immer unzählige Möglichkeiten geben, mit denen sich die Praktizierenden mit dem Medium auseinandersetzen. Aber die Menge an Kreativität, die in der Visualisierungsgemeinde gedeiht, steht in keinem Verhältnis zu der geringschätzigen Behandlung durch die Architekturszene. Ob es Architekten nun gefällt oder nicht, beeinflussen 3D Künstler immer stärker die Projekte. Ohne großartige, auf Bildern basierende, Präsentationen hängen Architekten meistens in den Erläuterungen der Pläne und Schemata für Laien fest, jedoch geht die Bedeutung der Renderings hier noch viel weiter.

Architekturvisualisierungen haben einen Punkt erreicht, an dem selbst die fotorealistische Darstellung nicht mehr ausreicht. Unternehmen suchen nach Darstellungen, die Stimmungen, Atmosphäre und Geschichten zu transportieren vermögen. In dieser Hinsicht gelangen Standaufnahmen schnell an ihre Grenzen.

Ein anderes Medium hat sich parallel zu den Visualisierungen entwickelt und wird ein zunehmend wichtiger Bestandteil nicht nur in der Architekturpräsentation, sondern auch im Entwurfsprozess. Animationen scheinen Ideen schneller und effizienter kommunizieren zu können, als 2D Darstellungen und ein Film von wenigen Minuten Länge kann dutzende einfache Renderings ersetzen.

Mit der Zeit gedieh und entwickelte sich dieses Werbetool und schuf eine immer stärkere Verbindung zwischen Film und Architektur. Wir reden nicht über einfache Fly-through Animationen, sondern über Filme, die Räume genauso zeigen, wie sie auch von den Nutzern wahrgenommen werden und ein tieferes Verständnis von Architektur ermöglichen. Durch diese Entwicklungen hat die Branche einen Punkt erreicht, an dem 3D Inhalte, Animationen eingeschlossen, ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfsprozesses geworden sind.

Immer häufiger nutzen Büros schon am Anfang des Entwurfs Renderings und Animationen zur Präsentation, aber auch um den Mitarbeitern das Verständnis der Räume, die sie entwerfen, zu erleichtern. Fly-through Animationen und 360° Ansichten um ein Modell sehen nett aus, aber deren größter Fehler ist die Präsentation der Arbeit aus der Vogelperspektive, oder aus einem erhöhten Blickwinkel, den eine normale Person niemals wahrnehmen könnte. Auf der anderen Seite werden Architekturfilme, die sich auf die Atmosphäre und taktilen Qualitäten von Räumen konzentrieren, auf die sich Nutzer beziehen können, immer populärer. In einem Artikel für den Architectural Record geht Nate Berg auf das Problem der Animationen ein, und betont die interdisziplinäre Natur der Architektur, um die Ähnlichkeit zwischen Architekten und Filmemachern hervor zu heben.

“Architekten haben die Kunst des Films aufgenommen – nicht nur, um mehr interaktive Präsentationen für Kunden zu schaffen, sondern auch um es als Tool für den eigenen Entwurfsprozess zu nutzen.”

Hyper-Realismus wird gewöhnlich und Unternehmen nutzen mehr die kreative Vorgehensweise großartiger Kinematographie und des Geschichtenerzählens. Architekturanimationen zeigen nicht mehr nur Volumen, Materialien und die Menge des natürlichen Lichteinfalls, sondern bieten noch vor Baubeginn eine immense Erfahrung und nehmen die spätere Interaktion mit der Umgebung vorweg. Einige gehen dabei konzeptioneller vor und fungieren als experimenteller Film, während andere den Kunden ein tieferes Verständnis ihrer zukünftigen Wohnungen und die Beziehung zwischen den verschiedenen Räume ermöglichen.

Darüber hinaus gibt es interessante Beispiele interaktiver Animationen, die zur Attraktivität des Projekts beitragen und äußerst praktisch für Entwickler sind.

In jedem Fall erweitern diese Beispiele bewegter Bilder das Spektrum konventioneller Präsentationen und erzählen etwas differenzierter von der jeweiligen Umgebung. Einige der bekanntesten Architekturbüros, unter anderem Zaha Hadid, OMA und Herzog & de Meuron, haben schon Animationsstudios beauftragt, um Filme ihrer Projekte machen zu lassen. Es folgen einige Beispiele von Animationen im Bereich Architektur.

Tronic Studio for 56 Leonard Street, Herzog & de Meuron

Die Animation zeigt den 57 geschossigen Wohnturm von Herzog & de Meuron in Tribeca, New York, als Serie tetrisartiger Volumen, die vom Himmel Manhattans herabsinken und auf den Platz um die Skulptur von Anish Kapoor fallen. Die Animation bindet die bestehende Skulptur ein, die zu einer neuen kulturellen Landmarke wurde, und gerät in einen Dialog mit der Umgebung. Tronic leitete und animierte das Video und zeigte dabei nicht nur die zukünftigen Räume, sondern auch das Konzept hinter dem Projekt auf.

Viktor Fretyán (MIR) for The Sleuk Rith Institute, Zaha Hadid Architects

Viktor Fretyán vom Studio MIR kreierte diese großartige Animation für das von Zaha Hadid entworfene Sleuk Rith Institute in Cambodia. Laut Fretyán wurde das gesamte Video, das den Außenraum, die Klassenräume, Ausstellungsräume, die Bücherei und das Archiv zeigt, innerhalb von vier Wochen erstellt. Das großartige Sounddesign, die Bearbeitung und das Konzept helfen der Animation, die besten Aspekte dieses Projektes herauszuarbeiten.

Piranha for The New World Trade Center by Silverstein Properties

Piranha wurde von Silverstein Properties ausgewählt, um einen kurzen Film über die Fertigstellung des neuen World Trade Center zu machen. Piranha trug die Verantwortung für das Drehbuch, die Leitung und das Filmen dieses Stücks, dass zeitgleich den 10. Jahrestag von 9/11 markiert. Obwohl sich die Öffentlichkeit dieses Projekts durchaus bewusst war, entzündete dieses Video das Interesse erneut, in dem es Live-Aufnahmen mit animierten Elementen kombinierte. “Unser Ziel war es, die Emotionen und Signifikanz dieses Bauwerks einzufangen und sein unglaubliches Ausmaß aufzuzeigen.”