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Vieles in der Branche wird über qualitativ hochwertige Bilder voran getrieben. Brilliante Fotos sind unerlässlich, wenn ein Büro darauf abzielt, eine gute Online Präsenz aufzubauen. Ziemlich häufig verlieren jedoch Büros, die mit einer handvoll guter Projekte starten, alleine durch eine schlechte Präsentation viele ihrer potentiellen Kunden. Wir alle haben schon wenig schmeichelhafte Amateur-Fotografien großartiger Entwürfe gesehen, die das Projekt begraben und zu schnell, sowohl von der Presse als auch den Kunden, vernachlässigt werden. Das Verlagswesen wurde einem Prozess der Demokratisierung unterzogen und heutzutage können sich die meisten mittelständigen Büros mit eigenen Monographien und Projekten mit eindrucksvollen Bildern rühmen. Diese Fixierung auf die visuelle Seite der Dinge reicht weiter über das Design hinaus – es hat alle Aspekte unseres Lebens durchdrungen. Bilder werden schneller und ohne viel Aufwand wahrgenommen. Je emotional ansprechender diese sind, desto stärker bleiben sie in unserem Gedächtnis gespeichert. Während die meisten Kunden schon eine erste Idee vom späteren Aussehen des Projektes durch Skizzen bekommen können, hängt ihre Begeisterung für das Projekt jedoch weitgehend von der emotionalen Wirkung des visuellen Inhalts ab.

Einige der Größen in der Architektur haben nur einige wenige Bilder auf ihrer Webseite. SANAAs Webseite hat z.B. überhaupt keinen Inhalt. Genauso wenig Frank Gehrys. Peter Zumthor hat noch nicht einmal eine. Aber was bei diesen Größen funktioniert, wird wohl kaum bei jungen Büros funktionieren. Gerade bei jungen Bürogründungen, die noch wenig gebaute Beispiele vorzuweisen haben, sind gut gemachte Renderings unverzichtbar für das weitere Wachstum des Unternehmens. Neben all der Energie, dem Geld und den langen Nächten voller Vorbereitung für die Gründung eines Büros, vergessen viele kleine Büros gerade das entscheidende Element, eine Markenidentität für ihr Unternehmen aufzubauen. Allein schon aufgrund des normalen Tagesgeschäfts, vernachlässigen viele eine anständige Dokumentation ihrer Arbeit. Diese ist untrennbar mit der visuellen Identität verbunden, die nicht nur auf Aufzeichnungen, Webseiten und Entwürfen aufbaut, sondern auch auf anständig präsentierten Inhalt, der die Philosophie, einen einheitlichen visuellen Stil und die Struktur des Büros kommuniziert. Es gibt kein Logo oder Web-Design, das ein fehlerhaftes Produkt oder fehlerhaften Service überspielt. Schlampige oder mangelhafte Renderings können den Eindruck eines unerfahrenen Teams und einer schlechten Organisation verstärken. Selbst bei erfahrenen Büros, sind nur einige wenige in der Lage effektive Bilder zu entwickeln. Die meisten veröffentlichen visuelle Klischees, die die gleichen generischen Typen von Renderings ohne jede Einzigartigkeit verwenden. Es ist allgemein bekannt, dass Menschen die blind Getränke unterschiedlicher Hersteller testen, am Ende doch ihre Meinung zu Gunsten des Unternehmens mit der wirkungsvollsten visuellen Identität und dem eindrücklichsten Marketing ändern. Was man aus dieser einfachen Verbraucher-Logik lernen kann, ist, dass man sich eindrücklich von der Konkurrenz abheben muss. Die Entwicklung eines eigenen Rendering-Stils und die Überwindung generischer Bildsprache, helfen garantiert, wenn es um die Gewinnung neuer Kunden und die Gestaltung der öffentlichen Wahrnehmung des Unternehmens geht. Da eine negative Wahrnehmung den Ruf eines jungen Unternehmens schon von Beginn an schädigen kann, sollten junge Unternehmer schon vor Beginn eine Marken-Strategie entwickeln und die wichtige Rolle des Renderings erkennen. Den Kunden die Möglichkeit zu bieten, Entwürfe durch großartige Bilder zum Leben erweckt sehen zu können, stärkt den Markenwert und erhöht die Wahrscheinlichkeit, neue Kunden zu gewinnen.

Ein Beispiel für gutes Branding ist Populous, eines der weltweit führenden Architekturbüros im Sportbereich. In einem Interview erwähnt Gina Stingley, Marketing Managerin und Partnerin des Büros, die Herangehensweise an die Fotografie: “Wenn man sechs Jahre zurück blickt, hat keiner Menschen in Architekturfotografien gezeigt. Wirklich – keiner hat das getan. Eine der wirklich fundamentalen Lehren unserer Marke ist die, welche Erfahrungen Menschen in unseren Gebäuden haben. So wurde es für uns wichtig, Menschen in unsere Projekt-Fotografien zu integrieren. Dieser Vorstoß hat unsere Arbeit menschlicher gestaltet.” Seit dem ist diese Haltung auch in den Renderings und Animationen anderer Büros zu erkennen. Junge Gründer müssen für sich einen günstigen und rentablen Weg finden, diese Herangehensweise in die eigene Arbeit zu integrieren. Während größere Büros die Möglichkeit haben, ihre Mitarbeiter auf Schulungen und Fortbildungen schicken zu können und stets auf dem neuesten Stand der Technik bleiben, müssen jüngere Büros kreativer werden und entscheiden, ob lieber in die Entwicklung der eigenen Rendering-Fähigkeiten investiert werden oder die Arbeit an Freiberufler oder spezialisierte Agentur ausgegliedert werden sollte. Wenn letzteres nach dem richtigen Weg klingt, ist es wichtig, Prioritäten zu setzen und nur die Projekte auszuwählen, die am besten die Richtung repräsentieren, in die das Architekturbüro gehen möchte.

Wenn es um die Präsentation auf einer Webseite geht, fokussieren sich viele Büros auf einige wenige Hauptpunkte. Zunächst sollte die Webseite jedoch einfach zu bedienen sein und ein schlichtes Layout haben. Es sollte sich um ein Design handeln, das auf allen Endgeräten angezeigt werden kann, und unter keinen Umständen sollte es Flash enthalten. Ein anderer Aspekt ist, dass eine klare Idee dessen vermittelt werden sollte, welche Dienstleistung das Büro tatsächlich übernimmt oder bieten kann. Zu guter Letzt, die Bilder. Diese sind weitaus bedeutender als Logos, oder gut gestaltete Textbausteine. Bilder sind dazu da, potentielle Kunden davon zu überzeugen, dass das eigene Büro die richtige Entscheidung ist. Diese sollten in den Vordergrund gerückt sein und den Schwerpunkt auf jeder Seite bilden. Hierbei bleibt zu beachten, möglichst nur die besten Bilder eines Projekts zu verwenden. Am Ende ist es besser mit einigen wenigen zu überzeugen, als mit vielen mittelmäßigen zu verlieren.